Eine Familiensaga, die zu fesseln wuste

Der Autor Beat Hüppin las am Dienstagabend im Kleinkunstsaal im Gemeindezentrum aus seinen Romanen. «Talwasser» und «Asphalt» handeln von derselben Familie, die zweimal von Haus und Hof vertrieben wird. Die Hintergründe hat Hüppin akribisch recherchiert, seine Protagonisten sind fiktiv.

Aadorf – Die Buchhandlung «Büecher-Chorb» aus Aadorf organisierte einen äusserst interessanten Abend mit dem Autoren Beat Hüppin. Langsam füllte sich der Saal, es erschienen hauptsächlich Frauen im mittleren Alter. Beat Hüppin, Germanist, Altphilologe und Lateinlehrer, wuchs in Wangen auf und ist mit jener Gegend stark verwurzelt. Eine Stunde las er aus seinen Büchern. Die Familiensaga fesselte vom ersten Augenblick; gebannt lauschte das Publikum seiner ruhigen Stimme und der schnörkellosen Sprache - er schreibt klar und geradlinig. Kein Wort ist zu viel und keines zu wenig. Mundartausdrücke setzt er gekonnt ein und erweckt dadurch die Figuren erst recht zum Leben. Beide Bücher erzählen von derselben Familie, die im ersten Roman «Talwasser» verzweifelt gegen das Hochwasser kämpft und alles verliert und im zweiten Band «Asphalt» wegen eines Strassenbaus Haus und Hof aufgeben muss. Beide Bücher sind nicht nur dank der akribischen Recherche lebensnah, der Autor versteht es, die Protagonisten in der jeweiligen Zeit authentisch zu zeichnen.

Die Geschichte: Generationenkonflikte und ein Gesellschaftsbild

beat-hueppin-signiert-buecher«Asphalt», sein zweiter Roman, handelt vom Autobahnbau in der Linthebene in den 70er- Jahren. Beat Hüppin vermittelte den Besuchern zuerst einen Überblick, bevor er aus seinem zweiten Band die Familienmitglieder vorstellte. Die Generationen kamen in Dialogen zu Wort und zeigten die Konflikte untereinander schonungslos auf. Die Zuhörer tauchten in die damalige Zeit und konnten über die Protagonisten oft nur schmunzeln, denn die Situationen hätten in jedem Wohnzimmer stattfinden können. Da ist zum einen der Grossvater, der um jeden Preis um den Hof kämpfen will, dann die mittlere Generation, die bereits resigniert hat, weil die Jüngsten absolut kein Interesse an der Übernahme des Hofes zeigen. Warum sollte man da überhaupt noch kämpfen? Die klare Rollenteilung der damaligen Zeit fällt genauso auf, wie das Aufbäumen der Jugend. Anhand der Dobler-Kinder malt Hüppin ein buntes Gesellschaftsbild. Die Tochter will plötzlich Vegetarierin werden, was den Vater fast zur Weissglut treibt. «Bist du denn verrückt geworden?», schreit er. Genauso echauffiert er sich über die Rockmusik, die sein Sohn in voller Lautstärke hört: «Diese Halbaffen singen wie eine Sau, die abgestochen wird. Der Grüsel, es hat nicht mal zu einem ganzen Hemd gereicht!» Und die andere Tochter schmilzt unter den Songs von ABBA dahin und wird für eine unerhörte Eskalation sorgen; welche, verrät der Autor nicht, der Leser darf dies selber erfahren. Den Inhalt untermalte Beat Hüppin laufend mit Bildern und schaffte so den Bezug zu seinen ausführlichen Recherchen.

Aber auch aus dem ersten Buch las er einige eindrückliche Episoden. Betroffen nimmt man zur Kenntnis, dass die damalige Bevölkerung, die meist ungebildet war, von den Behörden äusserst schäbig behandelt wurde. In der anschliessenden Fragestunde entwickelte sich eine Diskussion, ob das heute auch noch passieren könnte. Einige Besucherinnen erzählten spontan aus ihrer eigenen Familiengeschichte, sie hatten zum Teil ähnliches erlebt.

Über meine Frage, ob es noch einen dritten Band geben werde, schmunzelte er: «Nein, einen dritten Band wird es nicht geben. Aber in etwa einem Jahr wird ein weiteres historisches Buch - aber aus einer völlig anderen Ecke der Schweiz – erscheinen». Mehr wollte Beat Hüppin nicht verraten. Lassen wir uns überraschen!

GABI DOGGWEILER

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok