Von Flint und Cavalli zu Meyer und Palushi

Sowohl der neblig, kalte Novemberabend, wie auch der Rotfarbkeller in Aadorf passten hervorragend zur Lesung mit der Krimiautorin Petra Ivanov.

Text und Bild: Ruth Bossert

Aadorf — «Das 11-jährige Mädchen merkt nicht, dass ihm der Träger des kurzen Shirts von der Schulter rutscht. Auch nicht, dass sich der fremde Mann beim Aussteigen hinter sie reiht und beim ersten Donnerschlag denkt es nur an seine pinkfarbenen Ballerinas mit der Schleife, die im Regen nass werden und kaputt gehen — auch die Schritte des Mannes hinter ihr hört Fanny nicht.» Die knapp vierzig Zuhörer, die an diesem nebelig, kalten Novemberabend der Einladung der Buchhandlung «Büecherchorb» folgten, lauschen gespannt was ihnen die Krimiautorin Petra Ivanov vorliest. Im spärlich beleuchteten Gewölbekeller ist es mäuschenstill, die zierliche Autorin liest mit klarer Stimme, wenn sie die Blätter auf den Tisch legt und ihre Stimme sich senkt, ist man fast ein bisschen ärgerlich, nur zu gern hätte man mehr gewusst, über Fanny, den Mann, Milena Herzog, die Ex-Polizistin Jasmin Meyer und Staatsanwalt Pal Palushi.

 

Jasmin Meyer und Pal Palushi sind die beiden neuen Protagonisten in den Krimis der Zürcher Autorin. Vor drei Jahren hat sie mit der privaten Ermittlerin und dem Anwalt mit dem Buch «Tatverdacht» begonnen, in diesem Jahr folgte «Hafturlaub». Hat sie sich mit«Tatverdacht» in den Kosovo vorgewagt und den Fall um einen Swisscoy-Soldat von den beiden Schweizern untersuchen lassen, geht es im neuesten Buch «Hafturlaub» um einen Vergewaltiger, dem ein Hafturlaub bewilligt wurde. Und ausgerechnet die Ex-Polizistin Jasmin Meyer, die selber unter den Folgen einer Gewalttat leidet, soll die Elfjährige beschützen. Hafturlaub, nur schon wenn Jasmin Meyer das Wort hört, wird ihr übel. Als sich herausstellt, dass ein Klient ihres Lebenspartners, ein Strafgefangener, Fanny bedroht, realisiert sie: «Da muss ich ganz allein durch.»

Liebäugeln mit dem amerikanischen Markt

Petra Ivanov kenn man vor allem mit der Krimi-Reihe mit Regina Flint und Bruno Cavalli. Von dieser Reihe sind bislang fünf Bücher erschienen, angefangen bei «Fremde Hände» im Jahr 2005 bis «Leere Gräber», das vor zwei Jahren erschien. Die Autorin erzählt, dass sie immer an drei Büchern miteinander in verschiedenen Entstehungsphasen schreibe. So sei sie meist mit Recherchieren, Schreiben und der Vermarktung gleichzeitig beschäftig. Durch die vielen Wartezeiten bei den umfangreichen Recherchearbeiten, für die Ivanov bekannt ist, sei diese Art zu schreiben unabdingbar, zumindest wenn man davon leben müsse. Im nächsten Jahr erscheine ein weiterer Flint/Cavalli-Krimi, sozusagen eine Jubiläumsausgabe, aber nur in elektronischer Form. Ivanov sieht die Zukunft der Bücher eher elektronisch, denn in den USA sollen bereits mehr als die Hälfte der Neuerscheinungen nur noch elektronisch erhältlich sein. Mit kleinen Krimihäppchen versucht sie, die Krimiliebhaber in den USA auf sich aufmerksam zu machen, denn hier ist sie auch aufgewachsen und deshalb schreibe sie auch oft in Englisch und müsse dann die Krimis in Deutsch übersetzen. Zudem schreibt Ivanov Krimis für Jugendliche.

Aufzeigen wie es ist

Petra Ivanov, 1967, wurde in Zürich geboren und verbrachte ihre Kindheit in den USA. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz absolvierte sie die Dolmetscherschule, arbeitete als Übersetzerin, Journalistin und bei HEKS im Marketing. Weil sie für ihre wichtigen Themen wie Frauenhandel und dergleichen publizistisch kaum Möglichkeiten fand, die Themen an die Öffentlichkeit zu bringen, begann sie, die Greueltaten in Krimis zu packen. So gelang es ihr, eine immer grössere Lesergemeinschaft für die ihr relevanten Themen aufmerksam zu machen. Ivanov hat zwei Söhne und lebt mit ihrem zweiten Mann in der Region Zürich.

Die Krimiautorin Petra Ivanov signierte nach der Vorlesung ihre Bücher.

Quelle: REGIDINEUE vom Freitag, 28.November 2014

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